Raus aus dem Wald und rein in den Anzug?

Dezember 12, 2011 | Erstellt in Feierlichkeiten 0 Kommentare

Vor einigen Wochen fand ich im Briefkasten an meinem Forsthaus eine Einladungskarte von einem ehemaligen Schulkameraden, mit dem ich jahrelang befreundet war. Seitdem ich im Wald lebe, ist unser Kontakt stark zurückgegangen, sodass ich überrascht war, eine Karte von ihm in den Händen zu halten. Dabei handelte es sich um eine Einladungskarte zu seiner Hochzeit. Hochzeitseinladungen? So etwas wollte ich nun wirklich nicht in meinem Briefkasten haben, vor allen nicht von einem Schulkollegen, den ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Demnach entschied ich mich sofort dazu, meine Forstkleidung nicht gegen einen schicken Anzug einzutauschen und meinen Wald zu verlassen. Ich meine, Hans und ich hatten uns jahrelang nicht gesehen. Was hätten wir uns schon zu erzählen? Nachdem ich ihm damals mitteilte, dass ich nicht mehr nur als Förster arbeiten, sondern direkt in den Wald ziehen möchte, verstand er das von Anfang an nicht, was wohl auch erklärte, dass wir uns danach kaum noch sahen.

Klar, wir waren vor langer Zeit gut befreundet und erlebten viel zusammen, aber die Zeiten ändern sich eben. Und so eine schicke Hochzeit in Hannover wäre einfach nichts für mich. Da sitzen doch nur pikfeine Leute an einer großen Tafel, bewegen ihre Köpfe nicht, damit ihre Haarfrisuren ja nicht zerstört werden, flüchten schon bei kleinsten Regentropfen in den Innenbereich und bleiben dauerhaft unter einem Sonnensegel sitzen, um ja keinen Sonnenbrand zu bekommen. Was sollte ich da schon machen oder reden? Ich bleibe lieber in meinem Wald, genieße das Vögelgezwitscher und atme die frische Luft ein. Hans sagte ich übrigens auch nicht ab. Ich habe einfach keine Lust mehr, zwanghaft Freundschaften aufrecht zu erhalten. Und das wird er nun sicher auch kapiert haben. Hochzeiten im Wald, gerne. Hochzeiten in der Stadt, lieber nicht!

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